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Brief an die Aktionäre

Uwe Fröhlich und Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzende

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir blicken auf ein Geschäftsjahr zurück, das maßgeblich durch die COVID-19-Pandemie geprägt war. Es freut uns, dass die DZ BANK Gruppe dieses turbulente und herausfordernde Jahr mit einem erfreulichen Ergebnis in Höhe von 1,46 Milliarden Euro abschließen konnte. Damit bewegen wir uns auf dem Niveau der von uns vor der Pandemie formulierten Zielsetzung.

Das Jahr 2020 war an den Märkten sehr wechselhaft. Die zwischenzeitliche Entspannung und wirtschaftliche Belebung im Sommer wurde durch ein heftiges Wiederaufflammen des Infektionsgeschehens zum Jahresende hin abrupt beendet. Der absehbare Einbruch des Bruttoinlandsprodukts hat sich 2020 aufgrund der robusten deutschen Wirtschaft mit einem Rückgang um fünf Prozent noch in Grenzen gehalten. Die Finanzindustrie hat in dieser Lage nach Kräften zur Stabilisierung des Wirtschaftsgeschehens beigetragen. Exemplarisch dafür stehen die rund 48.000 Anträge mit einem Volumen von mehr als 12 Milliarden Euro, die allein die Genossenschaftliche FinanzGruppe als Durchleitungsstelle für Fördermittel der KfW und weiterer Förderinstitute innerhalb kürzester Zeit bearbeitet und auf den Weg zu den Unternehmen gebracht hat.

Nach deutlichen Ergebnisbelastungen im ersten Quartal hat eine positive Geschäftsentwicklung in nahezu allen Segmenten der Institutsgruppe zur Jahresmitte zu einer Ergebniswende mit einem seither andauernden Aufwärtstrend beigetragen. Einen positiven Beitrag leisteten insbesondere die Union Investment und die DZ HYP. Die Union Investment profitierte von einer positiven Entwicklung der Aktienmärkte und verbuchte einen hohen Absatz. Zugleich stärkte sie mit der Mehrheitsübernahme der ZBI Gruppe ihr Portfolio im wichtigen Wachstumsmarkt der Wohnimmobilien. Die DZ HYP zeigte eine sehr gute operative Geschäftsentwicklung und profitierte von Wertaufholungen im Staatsanleihenportfolio, wenngleich deutlich weniger als im Vorjahr. Die Verbund- und Geschäftsbank konnte den in der Krise gestiegenen Liquiditätsbedarf bei Unternehmens- und institutionellen Kunden bedienen und hat ihre führende Position im Kapitalmarkt- und Firmenkundengeschäft sowie im Transaction Banking weiter ausgebaut. Die in der DZ BANK gestiegene Risikovorsorge ist mitunter auch durch die aktuellen Unwägbarkeiten vor allem bei der Konjunkturentwicklung bedingt. Darüber hinaus hat der Einbruch der Weltwirtschaft insbesondere das Schiffsfinanzierungsportfolio der DVB Bank negativ belastet. Gleichzeitig konnte das verbleibende Kundenkreditvolumen 2020 in überplanmäßiger Geschwindigkeit von 7,4 Milliarden Euro auf 3,9 Milliarden Euro abgebaut werden. Wir sind derzeit in einer ergebnisoffenen Prüfung zur Integration der verbleibenden Aktivitäten der DVB in die DZ BANK.

„Die DZ BANK Gruppe hat ihre Substanz auch im Geschäftsjahr 2020 gestärkt.“

Die wesentlichen Ergebnisse der DZ BANK Gruppe im Einzelnen:

Der Zinsüberschuss erreichte 2,80 Milliarden Euro (2019: 2,74 Milliarden Euro). Während der Zinsüberschuss in der DZ BANK Verbund- und Geschäftsbank sowie bei der DZ HYP dank positiver operativer Entwicklung deutlich gesteigert werden konnte, musste die Bausparkasse Schwäbisch Hall infolge des anhaltenden Niedrigzinsniveaus weitere Rückstellungen für Zinsbonifikationen bilden. Der Provisionsüberschuss stieg auf 2,12 Milliarden Euro (2019: 1,98 Milliarden Euro). Wesentliche Treiber waren insbesondere eine anhaltend hohe Nachfrage insbesondere von Publikumsfonds bei der Union Investment sowie die gute Entwicklung der Verbund- und Geschäftsbank. Das Handelsergebnis erhöhte sich aufgrund eines erfreulichen Kapitalmarktgeschäfts der Verbund- und Geschäftsbank deutlich auf 552 Millionen Euro (2019: 472 Millionen Euro). Ein besonderes Highlight stellte dabei die erfolgreiche Begleitung der zweiten Anleihe aus dem SURE-Programm der EU („Support to mitigate Unemployment Risk in an Emergency“) dar. Das Ergebnis aus Finanzanlagen ging bedingt durch den Wegfall positiver Einmaleffekte durch den Verkauf von Geschäftsteilen im Vorjahr auf 166 Millionen Euro (2019: 182 Millionen Euro) zurück. Das Sonstige Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten betrug minus 22 Millionen Euro (2019: 255 Millionen Euro). Positiven Bewertungseffekten im Staatsanleihenportfolio der DZ HYP, wenngleich in geringerem Maße als im Vorjahr, standen Veränderungen der bewerteten Garantieversprechen bei der Union Investment sowie IFRS 9-bedingte Effekte bei der DVB Bank gegenüber. Das Versicherungsgeschäft war geprägt durch einen hohen Anstieg der Verdienten Beiträge in allen Bereichen. Der Rückgang im Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft auf 347 Millionen Euro (2019: 1,17 Milliarden Euro) resultiert maßgeblich aus erhöhten Schäden insbesondere in der Rückversicherung sowie einem niedrigeren Kapitalanlageergebnis der R+V Versicherung infolge der Kapitalmarktentwicklung. Die Risikovorsorge erhöhte sich auf 678 Millionen Euro (2019: 329 Millionen Euro). Neben erhöhtem Vorsorgebedarf bei der DVB Bank umfasste sie eine IFRS 9-bezogene Berücksichtigung der erwarteten makroökonomischen Entwicklungen aufgrund der COVID-19-Pandemie in Höhe von 220 Millionen Euro. Die Verwaltungsaufwendungen blieben trotz Investitionen in Infrastruktur und Wachstum mit 4,04 Milliarden Euro (2019: 4,07 Milliarden Euro) dank konsequentem Kostenmanagement stabil.

Maßgeblich für dieses in einem außergewöhnlichen Jahr erzielte positive Ergebnis waren die große Leistungsbereitschaft und das Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für ihren beherzten Einsatz und hohe Flexibilität in den vergangenen Monaten sprechen wir ihnen besonderen Dank und Anerkennung aus.

Die DZ BANK Gruppe hat ihre Substanz auch im Geschäftsjahr 2020 gestärkt. Die harte Kernkapitalquote lag zum 31.12.2020 bei 15,2 Prozent (31.12.2019: 14,4 Prozent) und erreichte damit erstmals einen Wert oberhalb von 15 Prozent. Die Leverage Ratio belief sich auf 5,6 Prozent (2019: 4,9 Prozent). Diese Entwicklung ist Ausdruck eines umsichtigen Managements unserer Risikoaktiva und unserer hohen Thesaurierungskraft. Daneben haben wir mit einer erfolgreichen Platzierung von Tier 2-Anleihen im Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro die Kapitalstruktur der Bank weiter verbessert. Dies bildet eine wichtige Grundlage für weitere Investitionen in unseren künftigen Markterfolg und ermöglicht uns auch die Rückführung aller noch ausstehenden Tier 1-Emissionen im Jahr 2021.

Angesichts der sehr guten Kapitalausstattung der Bank haben wir uns fortwährend dafür eingesetzt, unsere Anteilseigner angemessen am Erfolg der beiden abgelaufenen Geschäftsjahre 2019 und 2020 zu beteiligen. Wir begrüßen, dass die Aufsicht nun erste Spielräume eröffnet hat und werden diese im Rahmen des Möglichen vollumfänglich ausschöpfen.

Die ersten Wochen des neuen Geschäftsjahres waren weiterhin durch eine lebhafte Nachfrage im Kapitalmarktgeschäft geprägt, während sich der auch durch staatliche Förderprogramme ausgelöste Hochbetrieb im Kreditgeschäft auf ein moderates Niveau eingependelt hat. Die verstärkten Pandemie-bedingten Einschränkungen um die Jahreswende sorgten derweil europaweit für eine schwache Wirtschaftsentwicklung im Winter. Hoffnung auf eine Normalisierung des Alltags- und Wirtschaftsgeschehens und einer damit einhergehenden Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte geben jedoch die weltweit begonnenen Impfkampagnen. Für das laufende Jahr rechnen unsere Volkswirte mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von 2,7 Prozent. Aufgrund der schwer abschätzbaren Folgen der Pandemie für das Wirtschaftsgeschehen gehen wir für 2021 von einem Ergebnis leicht unterhalb der Höhe des Vorjahres aus.

„Im Blick nach vorn sehen wir deutliche Wachstumschancen für unsere Institutsgruppe.“

Im Blick nach vorne sehen wir deutliche Wachstumschancen für unsere Institutsgruppe. Auch im herausfordernden Geschäftsjahr 2020 haben wir intensiv daran gearbeitet, die Geschäftspotenziale im Zusammenspiel mit den Genossenschaftsbanken noch besser zu nutzen. Dazu zählen digitale Lösungen zur Vertriebsunterstützung und Vereinfachung der Abwicklungsprozesse. Im gemeinsamen Ausbau des Plattformgeschäfts sind wir ebenfalls konzernweit gut vorangekommen. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall beispielsweise investiert mit dem Aufbau eines digitalen Ökosystems rund um das Thema Bauen und Wohnen sowie der digitalen Baufinanzierungs-Plattform BAUFINEX konsequent in Zukunftsthemen. Darüber hinaus wird der Zahlungsverkehr weiterhin durch eine dynamische Entwicklung geprägt sein. So verhalf die Krise dem digitalen, kontaktlosen Bezahlen zu einem starken Wachstum. In den nächsten Monaten wird es darum gehen, unser Geschäft in diesem Bereich für die Zukunft strategisch weiter zu stärken. Dazu sind wir an wichtigen Initiativen wie der European Payment Initiative (EPI) oder auch Digitale Kreditwirtschaft (#DK) federführend beteiligt und forcieren unsere Bemühungen, wegweisende Lösungen wie das „Request to Pay“-Verfahren zur Marktreife zu bringen.

Nicht zuletzt hat auch das Thema Nachhaltigkeit mit der Pandemie eine neue Dimension und Dringlichkeit in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik erhalten. Für die Akteure der Finanzbranche wird Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren zunehmend den Charakter einer „Betriebslizenz“ erlangen. Aufbauend auf dem genossenschaftlichen Wertesystem und mit einem guten ISS ESG Rating („C+“) ausgestattet ist die DZ BANK Gruppe gut positioniert und arbeitet intensiv an der Weiterentwicklung ihres Nachhaltigkeitsprofils. Wichtige Schritte sind die Erarbeitung eines Klassifizierungsrahmens für unser Kreditgeschäft und eine noch umfassendere Berichterstattung. Die Potenziale im Bereich Sustainable Finance nutzen wir bereits sehr erfolgreich, etwa bei nachhaltigen Fonds und Geldanlagen oder der Platzierung grüner Anleihen im Kapitalmarktgeschäft. Begleitet von einem sehr hohen Investoreninteresse hat die DZ BANK im abgelaufenen Geschäftsjahr zudem ihren zweiten Green Bond begeben.

Gleichzeitig bearbeiten und beschleunigen wir ein breites Themenportfolio im Umfeld der Digitalisierung. Im Rahmen unserer Strategieagenda Verbund First 4.0 haben wir das Programm „Digital Readiness“ gebündelt. Es umfasst strategische Initiativen rund um die Bereitstellung von Softwarelösungen sowie die Nutzung neuer Technologien; darunter insbesondere der Cloud-Technologie. Darüber hinaus arbeiten wir an Blockchain basierten Lösungen im Kapitalmarkt- und Zahlungsverkehr, die zukünftig beispielsweise neue Dienstleistungen ermöglichen können. Diese und weitere Initiativen bilden die Grundlage für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit unserer Institutsgruppe.

Neben den strategischen Maßnahmen und Fortschritten ist es aber vor allem auch der inneren Stärke und Flexibilität unserer Organisation zu verdanken, dass wir gefestigt aus diesem Krisenjahr gehen. Mit diesem Verständnis gehen wir die vor uns liegenden Aufgaben selbstbewusst und mit Zuversicht an.

 

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Fröhlich
Co-Vorstandsvorsitzender
 
Dr. Cornelius Riese
Co-Vorstandsvorsitzender