6.4. Risikomanagement

6.4.1. Marktpreisrisikomessung

INTERNES MODELL

Das Marktpreisrisiko wird nach den Verfahren des Value-at-Risk ermittelt, wobei der Risikowert sowohl für die Gesamtgruppe als auch für jede einbezogene Gesellschaft berechnet wird.

Der Value-at-Risk ist eine Kenngröße, die beschreibt, welcher Verlust mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) und innerhalb einer bestimmten Haltedauer der Positionen bei normalen Marktbedingungen höchstens erwartet wird. Das Modell bildet nicht die maximal möglichen Verlustpotenziale ab, die bei extremen Marktsituationen auftreten können, sondern legt Marktszenarien zugrunde, die jeweils innerhalb des Vorjahres beobachtet wurden, und simuliert sie für die gegenwärtigen Positionen der Bank (Historische Simulation). Um Abschätzungen für Verlustpotenziale bei besonderen Marktbewegungen zu erhalten, werden Stresstests durchgeführt. Als wesentliche Risikofaktoren werden hierbei Zins-, Spread-, Aktien-, Währungs- und Rohwarenrisiken betrachtet.

Die DZ BANK verwendet zur Ermittlung des Value-at-Risk auf Einzelinstitutsebene ein internes Risikomodell, das von der BaFin zur Berechnung der regulatorischen Eigenmittelanforderungen für das allgemeine und das besondere Marktpreisrisiko gemäß der SolvV zugelassen worden ist. Mit dem Modell werden der Value-at-Risk und der sogenannte Stressed Value-at-Risk (Krisen-Risikobetrag) täglich mittels einer historischen Simulation mit einem einseitigen Konfidenzniveau von 99,00 Prozent über einen Beobachtungszeitraum von einem Jahr und mit einer Haltedauer von 10 Handelstagen berechnet.

Anders als bei der Berechnung der Unterlegung mit Eigenmitteln nach der SolvV wird der Value-at-Risk in der DZ BANK zum Zweck des Marktpreisrisikomanagements auf allen Ebenen der Portfoliohierarchie mit einer Haltedauer von einem Handelstag berechnet. Im Unterschied zur aufsichtsrechtlichen Meldung werden hierbei auch die Anlagebuchpositionen mit in die Ermittlung des Value-at-Risk einbezogen. Die veränderte regulatorische Sicht auf das Correlation Trading Portfolio findet ihren Niederschlag in der internen Risikorechnung.

Die DZ BANK nutzt seit Oktober 2011 ein aufsichtsrechtlich zugelassenes Internes Modell zur Ermittlung der Eigenmittel bezogen auf das zusätzliche Ausfall- und Migrationsrisiko des Handelsbuchs . Im Rahmen dieses Modells werden abrupte Marktpreisveränderungen, die aus Ratingmigrationen oder der Insolvenz eines Emittenten resultieren, explizit in der regulatorischen Risikoberechnung berücksichtigt. Potenzielle Verluste aus Migrationen und Ausfällen werden bezogen auf ein einseitiges Prognoseintervall mit einem Konfidenzniveau von 99,90 Prozent und einem Prognosehorizont von einem Jahr gemessen. Dabei wird eine konstante Risikoposition bis zum Prognosehorizont angenommen.

Das Modell entspricht den Anforderungen von § 318a Absatz 2 Satz 1 SolvV in Bezug auf eine aussagekräftige Risikodifferenzierung sowie die genaue und konsistente Schätzung des Risikos. Die Validierung des Modells erfolgt im Rahmen des Standardprozesses durch das Marktpreisrisikocontrolling.

MODELLVALIDIERUNG UND HANDELSUNABHÄNGIGE BEWERTUNG

Die operative Prüfung des internen Marktpreisrisikomodells findet laufend im Rahmen der Standardprozesse durch das Marktpreisrisikocontrolling auf Basis von Analysen des Value-at-Risk, der Backtestingergebnisse und der Stresstestergebnisse statt. Darüber hinaus wird das interne Modell von der Internen Revision in regelmäßigen Abständen überprüft. Der Gesamtvorstand der DZ BANK wird monatlich über die Weiterentwicklungen des Modells informiert.

Eine erweiterte Modellüberprüfung (Angemessenheitsprüfung) wird mindestens in jährlichem Turnus durchgeführt und umfasst umfangreiche Analysen von Zeitreihen, Parametrisierungen, Stresstestszenarien und Prozessabläufen. Hierbei werden sowohl technische Aspekte wie beispielsweise Lieferzeiten und die Qualität des Value-at-Risk als auch statistische Größen wie beispielsweise Backtesting-Ausreißer des Value-at-Risk und Quantilszeitreihen auf verschiedenen Portfolioebenen betrachtet.

Die Positionen werden täglich handelsunabhängig auf Grundlage der aktuellen Marktparameter bewertet. Dazu werden sowohl die Marktdaten vom Risiko­controlling selbst erhoben, als auch die Bewertungs­verfahren und -modelle unabhängig von den Handelseinheiten entwickelt beziehungsweise validiert.

MARKTPREISRISIKOMESSUNG IM VERSICHERUNGSGESCHÄFT

Zur Messung der aus den Kapitalanlagen der R+V resultierenden Marktpreisrisiken werden durch die Versicherung Szenarioanalysen unter folgenden Prämissen vorgenommen: Für direkt und über Fonds gehaltene Aktien wird die Auswirkung einer Kursveränderung von 35 Prozent auf den Zeitwert dieser Positionen simuliert. Für festverzinsliche Wertpapiere sowie für Namensschuldverschreibungen, Schuldscheinforderungen und Darlehen werden die Auswirkungen einer Verschiebung der Zinskurve um einen Prozentpunkt nach oben auf den Zeitwert dieser Wertpapiere und Ausleihungen ermittelt.

Darüber hinaus werden für den Bestand der festverzinslichen Wertpapiere und Ausleihungen regelmäßig Durationsanalysen durchgeführt.

Die Ermittlung des Kapitalbedarfs für die Marktpreisrisiken der R+V, der im Rahmen des Risikokapitalmanagements durch die Verlustobergrenze limitiert wird, beruht auf einem Value-at-Risk-Ansatz. Dabei werden ein Konfidenzniveau von 99,95 Prozent und eine Haltedauer von einem Jahr zugrunde gelegt.



 
Finanzverbund der Volksbanken Raiffeisenbanken
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