1.6. Grundlegende Mess-, Limitierungs- und Sicherungskonzepte

 

1.6.1.Messung von Risiken und Risiko­konzentrationen

Für Kreditrisiken, Beteiligungsrisiken, Marktpreisrisiken, bauspartechnische Risiken, versicherungstechnische Risiken, operationelle Risiken und Geschäftsrisiken wird ökonomisches Kapital – der sogenannte Risikokapitalbedarf – ermittelt. Die Berechnung erfolgt prinzipiell als Value-at-Risk mit einer Halte­dauer von einem Jahr. Dabei wird überwiegend ein dem Langfristrating der DZ BANK angemessenes Konfidenzniveau von 99,95 Prozent unterstellt.

Der Risikokapitalbedarf für die einzelnen Risikoarten wird unter Berücksichtigung von Diversifikationseffekten zum gesamten Risikokapitalbedarf der DZ BANK Gruppe aggregiert. Der diversifizierte Risikokapitalbedarf reflektiert die zwischen den einzelnen Risikoarten bestehenden Abhängigkeiten.

Für Kredite und Geldmarktgeschäfte sowie für Wertpapier- und Derivatepositionen werden im Rahmen der Kreditportfoliorechnung erwartete und unerwartete Verluste ermittelt. Grundlage dieser Rechnung sind aus historischen Verlustdaten abgeleitete Einjahres-Ausfallwahrscheinlichkeiten, die zusätzlich geschäftsspezifische Besonderheiten berücksichtigen und dem aktuellen Rating des Schuldners entsprechen. In die Ermittlung der ausfallrisikobehafteten Exposures fließen unter anderem bewertbare Sicherheiten, Nettingverträge und aufgrund historischer Erfahrungen erwartete Wiedereinbringungsquoten (Recovery Rates) ein.

Das Management von Risikokonzentrationen hat zum Ziel, mit Hilfe von Portfoliobetrachtungen [--break--]mögliche Verlustrisiken zu erkennen, die sich aus der Kumulierung von Einzelrisiken ergeben können, und gegebenenfalls notwendige Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Der Kapitalbedarf für das Kreditrisiko wird als unerwarteter Verlust durch Differenzbildung aus dem Value-at-Risk und dem erwarteten Verlust bestimmt. Um Konzentrationen des Kreditrisikos darzustellen, wird das Exposure auf der Portfolioebene Branchen, geografischen Regionen, Restlaufzeiten, Größenklassen und Bonitätsklassen zugeordnet. Darüber hinaus werden die Risiken, die aus großen Engagements gegenüber einzelnen Geschäftspartnern resultieren, eng überwacht und gesteuert. Risikokonzentrationen entstehen im Kreditgeschäft insbesondere aus dem gemeinsamen Ausfall mehrerer Kreditnehmer, die ein übereinstimmendes Merkmal aufweisen. Deshalb ist die Ermittlung des korrelierten Verlustrisikos im Rahmen der Ermittlung des Risikokapitalbedarfs für Kreditrisiken wesentlich für das Management von Risikokonzentrationen.

Die Messung des Beteiligungsrisikos erfolgt grundsätzlich als Value-at-Risk auf Basis eines Varianz-Kovarianz-Ansatzes. Dabei werden die Marktwertschwankungen überwiegend aus börsennotierten Referenzgrößen abgeleitet. Konzentrationen von Beteiligungsrisiken werden über die Einordnung der Beteiligungen in Kategorien nach ihrem Geschäftszweck abgebildet, wobei das eingesetzte Risikomo­dell innerhalb der Kategorien eine hohe Abhängigkeit unterstellt.

Der Kapitalbedarf für das Marktpreisrisiko wird auf Basis einer Simulationsrechnung unter Einbeziehung von Stresstestresultaten als Value-at-Risk über einen Zeithorizont von einem Jahr berechnet. Ergänzend zur ökonomischen Kapitalrechnung und für Zwecke der operativen Steuerung wird für das Marktpreisrisiko im Rahmen des Internen Modells ein Value-at-Risk für eine Haltedauer von einem Handelstag mit einem Konfidenzniveau von 99,00 Prozent ermittelt. Konzentrationen im marktpreisrisikobehafteten Portfolio werden durch die Zuordnung der Exposures auf korrespondierende Risikofaktoren im Zins-, Spread-, Aktien-, Währungs- und Rohwarenbereich abgebildet. Dabei werden Wirkungszusammenhänge zwischen diesen Risikofaktoren insbesondere in Stressphasen berücksichtigt.

Zur Messung von Liquiditätsrisiken wird für verschiedene Szenarien der Überhang an Zahlungsmitteln ermittelt, der bei Eintreten der Szenarien innerhalb des nächsten Jahres mindestens vorhanden wäre. Konzentrationen von Liquiditätsrisiken treten in erster Linie durch die Häufung von Auszahlungen zu bestimmten Tageszeiten oder Tagen (Laufzeitkonzentrationen), die Verteilung der Refinanzierung auf bestimmte Währungen, Märkte und Liquiditätsgeber (Refinanzierungskonzentrationen) sowie die Verteilung der Liquiditätsreserve auf bestimmte Währungen, Bonitäten und Emittenten (Reservekonzentrationen) auf.

Im Zuge einer Neuausrichtung der Risikomessung wurde das bauspartechnische Risiko der BSH aus dem Geschäftsrisiko herausgelöst. Bauspartechnische Risiken werden seit dem ersten Quartal des Geschäftsjahres als eigene Risikoart gesteuert. Die Risikomessung erfolgt auf Basis einer speziellen Kollektivsimulation, in der ein verändertes (negatives) Kundenverhalten und ein Neugeschäftsrückgang integrativ abgebildet werden. Konzentrationen im bauspartechnischen Risiko können sich aus dem Neugeschäftsrisiko und dem Kollektivrisiko ergeben.

Zur Quantifizierung der versicherungstechnischen Risiken (biometrisches Risiko, Prämien- und Reserverisiko und Naturkatastrophenrisiko) werden überwiegend Value-at-Risk-Ansätze verwendet. Dabei wird der Risikokapitalbedarf als Differenz aus dem Value-at-Risk und dem Erwartungswert gebildet. Im Rahmen des Risikomanagements werden auch mögliche Risikokonzentrationen analysiert, überwacht und gesteuert.

Die Abschätzung des Kapitalbedarfs für operationelle Risiken erfolgt auf Gruppenebene mit dem aufsichtsrechtlichen Standardansatz. Risikokonzentrationen können im Rahmen von Szenarioanalysen oder Risk Self-Assessments identifiziert werden. Sie entstehen, wenn beispielsweise IT-Systeme von wenigen Anbietern bereitgestellt oder Geschäftsprozesse auf eine begrenzte Anzahl von Dienstleistungsunternehmen ausgelagert werden.

Im Rahmen der Weiterentwicklung der Risikomessverfahren wurden die bisher gemeinsam betrachteten Risikoarten „Geschäftsrisiko“ und „strategisches Risiko“ im ersten Quartal des Geschäftsjahres entkoppelt. Der bisherige Pauschalansatz zur gemeinsamen Ermittlung von Geschäftsrisiko und strategischem Risiko wurde durch ein Risikomodell für das Geschäftsrisiko ersetzt, das auf einem Earnings-at-Risk-Ansatz basiert. Das strategische Risiko wird nicht quantifiziert. Durch die Fokussierung der Unternehmensaktivitäten auf wenige Geschäftsbereiche können Risikokonzentratio­nen entstehen. Konzentrationen des Geschäftsrisikos werden anhand qualitativer Kriterien im Rahmen der strategischen Steuerung begrenzt.

Unter Reputationsrisiko wird die Gefahr von Verlusten aufgrund von Ereignissen verstanden, die das Vertrauen in die Unternehmen der DZ BANK Gruppe oder in die angebotenen Produkte und Dienstleistungen bei Kunden, Investoren, auf dem Arbeitsmarkt und in der allgemeinen Öffentlichkeit beschädigen. Ursachen für Reputationsrisiken können Realisationen anderer Risiken, aber auch sonstige, öffentlich verfügbare negative Informationen über die Gruppenunternehmen sein.

Dem Reputationsrisiko wird in der Risikostrategie Rechnung getragen, indem beispielsweise der faire Umgang mit allen Geschäftspartnern festgelegt und Geschäfte mit zweifelhaften Adressen ausgeschlossen werden. Eine auf das Reputationsrisiko ausgerichtete Krisenkommunikation soll bei Eintritt eines Ereignisses größeren Schaden von der DZ BANK Gruppe abwenden. Damit wird der von der DZ BANK Gruppe verfolgte Nachhaltigkeitsgedanke unterstützt. Darüber hinaus wird die Gefahr einer erschwerten Refinanzierung infolge eines Reputationsschadens im Rahmen des Liquiditätsrisikomanagements explizit berücksichtigt.



 
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