Brief an die Aktionäre

anrede

 
Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzenderzoom

Wolfgang Kirsch
Vorstandsvorsitzender

im Geschäftsjahr 2011 hat das Zusammenwirken politischer, regulatorischer und wirtschaft­licher Anforderungen an die Finanzbranche einen neuen Höhepunkt erreicht. „Staatsschuldenkrise“, „Blitz-Stresstests“ und „Occupy Wall Street“ sind nur einige der Schlagworte aus dem [--break--] vergangenen Jahr, die verdeutlichen: Die Finanzbranche wird als Ergebnis dieser auf sie ein­wirkenden Kräfte binnen weniger Jahre grundlegend anders aussehen als heute. Dabei arbeitet unsere Branche schon jetzt mit Hochdruck an der Umsetzung eines regulatorischen Pflichtenheftes, das in der jüngeren Vergangenheit ohne Vergleich ist und die Anforderungen insbesondere an die Kapital- und Liquiditätsausstattung grundlegend verändern wird. Bei vielen Banken steht das Geschäftsmodell zur Gänze auf dem Prüfstand. Welche Folgen sich aus dem Zusammenspiel dieser Anforderungen für die Realwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte ergeben, ist noch nicht absehbar.

In diesem Umfeld hat die DZ BANK Gruppe 2011 abermals den Beweis angetreten, dass sie ein zuverlässiger und stabiler Partner für ihre Kunden und Eigentümer ist und über ein in sich schlüssiges Geschäftsmodell als verbundfokussierte Allfinanzgruppe verfügt. Unsere öffentliche Wahrnehmung hat sich nochmals spürbar verbessert und schlägt sich weiterhin in wachsenden Geschäftszuweisungen nieder. Zudem verfügen wir als Teil der Genossenschaftlichen FinanzGruppe inzwischen mit einem von „A+“ auf „AA-“ verbesserten Standard & Poor’s-Rating über die höchste Kreditwürdigkeit in der deutschen Bankenlandschaft.
 

vorstand
VON LINKS: LARS HILLE, ALBRECHT MERZ, WOLFGANG KÖHLER, WOLFGANG KIRSCH
(VORSTANDSVORSITZENDER), HANS-THEO MACKE, THOMAS ULLRICH, FRANK WESTHOFF

 

Diese gemeinsamen Erfolge sind auch das Resultat der weiter vertieften Zusammenarbeit in unserer Organisation. Die DZ BANK Gruppe hat dabei ihre Ausrichtung auf die Genossenschaftsbanken als unsere wichtigsten Kunden und Eigentümer noch weiter verstärkt. Wir [--break--]arbeiten zusammen – und wir arbeiten zusammen an den richtigen Themen. Dies kommt auch im bereinigten Ergebnis der DZ BANK Gruppe für 2011 vor Berücksichtigung der Belastungen aus der Staatsschuldenkrise zum Ausdruck. Mit knapp 1,9 Milliarden Euro liegt es oberhalb des guten Niveaus des Vorsteuerergebnisses aus dem Vorjahr. Einschließlich der Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen und der temporären Bewertungsabschläge auf Anleihen der Euro-Peripherieländer erreichte das Vorsteuerergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr noch 324 Millionen Euro.

Auch bei der Stärkung unserer Kapitalbasis kommen wir weiter voran. Unsere effektive Kernkapitalquote erreichte Ende 2011 – trotz der bereits erhöhten Anforderungen gemäß des jetzt gültigen Regelwerks („Basel 2.5“) – 11,7 Prozent nach 10,6 Prozent Ende 2010. Diese Ergebnisse sind Ausdruck der hohen Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DZ BANK Gruppe, denen meine Vorstandskollegen und ich unseren Dank aussprechen.

Der operative Erfolg des vergangenen Geschäftsjahres resultiert maßgeblich aus unserer breiten und ausgewogenen Aufstellung, wie einige Beispiele aus der DZ BANK und unseren Tochter­gesellschaften zeigen:

Den positiven Trend im Gemeinschaftskreditgeschäft der DZ BANK mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken konnten wir 2011 erneut fortsetzen. So stieg die Zahl der Neuanträge in diesem gemeinsamen Mittelstandskreditgeschäft um 7 Prozent. Im Privatkundengeschäft sind wir mit unserer Marke „AKZENT Invest“ mit einem Marktanteil von 16,6 Prozent per Ende Dezember 2011 unverändert Nummer zwei in Deutschland. Das Segment der Kapitalschutzzertifikate dominiert die DZ BANK sogar mit einem Marktanteil von 50 Prozent. Auch im [--break--]Kapitalmarktgeschäft mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken konnten wir die Umsätze [--break--]im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern.

Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat 2011 ihre Marktführerschaft abermals deutlich aus­­­ge­baut. Das Bausparneugeschäft wuchs um 10,5 Prozent oder 3 Milliarden Euro auf eine [--break--]Bausparsumme von 31,7 Milliarden Euro. Damit verbesserte sich der Marktanteil der Bausparkasse Schwäbisch Hall auf knapp 30 Prozent. Die R+V verzeichnete 2011 einen Zuwachs bei den gebuchten Bruttobeiträgen von insgesamt 2,1 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro und setzte damit ihren Wachstumskurs fort. Union Investment, der Fondsanbieter der Genossenschaftlichen FinanzGruppe, erzielte in einem schwierigen Marktumfeld eines der besten [--break--]Ergebnisse ihrer Unternehmensgeschichte und bleibt weiterhin mit großem Abstand Nummer eins bei wertgesicherten Anlagen und fondsbasierten Riester-Lösungen. Unter dem Dach [--break--]der DZ PRIVATBANK, unserem Center of Competence für das Private Banking, haben DZ BANK und WGZ BANK 2011 ihre Private Banking-Einheiten zusammengelegt. Beide Zentralbanken schaffen damit einen gemeinsamen, subsidiären Part­ner für die Genos­sen­schaftsbanken in einem wichtigen und wachstumsträchtigen Markt.

Diese Vertriebserfolge und Zukunftsprojekte stimmen uns umso zuversichtlicher, als wir insbesondere im zweiten Halbjahr 2011 mit nachlassendem konjunkturellen Rückenwind arbeiten mussten. Unverändert anspruchsvolle und divergierende wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den großen Wirtschaftsräumen der Welt prägten ebenso das Bild wie die Schuldenkrise in einzelnen Ländern des Euroraums. Die seither von diesen Ländern ergriffenen Konsolidierungsmaßnahmen zur Überwindung ihrer hohen Staatsdefizite sind zwingend erforderlich und zeigen auch erste Fortschritte, werden sich aber 2012 zunächst dämpfend auf die Konjunktur der Eurozone auswirken. Viel wird davon abhängen, inwieweit es den betroffenen Ländern gelingt, das Vertrauen in die Solidität ihrer öffentlichen Finanzen wiederherzustellen und Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Deutschland profitiert heute davon, dass wir diesen Prozess der strukturellen Verbesserung maßgeblicher Standortfaktoren bereits frühzeitig durchlaufen haben. Die Wachstumschancen für Deutschland schätzen wir daher günstiger ein als für den übrigen Euroraum. So können wir auch für die DZ BANK Gruppe von einem erfreulichen ­Beginn des Geschäftsjahres 2012 berichten.

Zusätzlich zu diesen wirtschaftlichen Unsicherheiten wird unsere Branche weiterhin durch ein sich drastisch veränderndes regulatorisches Umfeld belastet. Auch hier hat das Jahr 2011 neue, eher kritisch einzuwertende Maßstäbe gesetzt. Denn neben die ohnehin anspruchsvollen Kapital- und Liquiditätsanforderungen, die sich aus Basel III ergeben, sind willkürlich anmutende Zusatzanforderungen an die Kapitalausstattung seitens der Europäischen Bankenaufsicht EBA getreten, die im vergangenen Jahr in einem regulären und zwei Blitz-Stresstests ihren Ausdruck fanden. Nach erfolgreicher Teilnahme an den ersten beiden Tests ergab sich für die DZ BANK Gruppe im dritten Test eine Kapitallücke von rund 350 Millionen Euro. Diese konnten wir aber bereits zum Ende des Geschäftsjahres 2011 aus eigener Kraft annähernd schließen.

Weiterhin bleiben große Unwägbarkeiten hinsichtlich unserer regulatorischen Rahmenbedingungen bestehen, wie auch die Diskussion um eine Finanztransaktionssteuer zeigt. Die Herausforderung für die DZ BANK Gruppe wird darin bestehen, alle Belastungen durch ein sorgsames Management unserer Risikoaktiva, die weitere Fokussierung unserer Geschäftsaktivitäten [--break--]auf die Genossenschaftliche FinanzGruppe und durch Thesaurierung so gut wie möglich zu kompen­sieren. Aus dieser Einschätzung leiten wir auch unseren Dividendenvorschlag ab. Der Hauptversammlung wird die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 5 Cent je Aktie [--break--]vorgeschlagen.

Wir wissen uns bei diesen Herausforderungen von der gemeinsamen Überzeugung in unserer Organisation getragen, dass wir unsere Geschicke selbst gestalten wollen und dafür auch unsere Kräfte zu mobilisieren bereit sind. Denn wir wollen zusammen an unserer Wachstumsgeschichte weiterarbeiten. Dazu gehören auch die zahlreichen Formen der Zusammenarbeit, die wir 2011 mit der WGZ BANK fortentwickelt haben, zum Beispiel im Private Banking, im Private Equity-Geschäft, im Zahlungsverkehr oder in der Kreditverbriefung. Wir lassen uns dabei unverändert von dem Bestreben leiten, die Volksbanken und Raiffeisenbanken noch schlag­kräf­tiger im Wettbewerb zu machen und sie auf der Kostenseite weiter zu entlasten. Dem dient auch die intensive Zusammenarbeit in unserem Allfinanzbeirat, in den Fachräten des BVR [--break--]und den Verbundunternehmen.

So dürfen wir ungeachtet mancher Sorgen über unsere Rahmenbedingungen stolz sein über [--break--]die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Genossenschaftlichen FinanzGruppe. Viel spricht dafür, dass wir mit unserer Marktaufstellung und den Themen, an denen wir in der Markt­bearbeitung, bei den Vertriebswegen und der Kosteneffizienz gemeinsam arbeiten, auf dem rich­tigen Weg sind. Wenn wir daher mit Optimismus in die Zukunft blicken, so muss dieser [--break--]Optimismus – um mit Joseph Schumpeter, dem Ökonomen für Umbruchzeiten, zu sprechen – [--break--]nicht unbedingt ein Zeichen von Pflichtvergessenheit sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Wolfgang Kirsch
Vorstandsvorsitzender

 
Finanzverbund der Volksbanken Raiffeisenbanken
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